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Der RSV Germania 03 arbeitet weiter daran, für den auswärtigen Thriller-Oscar nominiert zu werden. Nach den 4:3-Drahtseiltänzen in Ober-Beerbach und St. Stephan führte der Rasensportverein auch am viertletzten Kreisliga B-Spieltag ungeachtet eines 1:3-Rückstands bei der SKG Bickenbach II 4:3, musste sich aber am Ende mit einem 4:4-Remis zufrieden geben.

 

Für die germanischen Fans, die ihre Mannschaft regelmäßig in der Fremde unterstützen, sollte ein Facharzt eigentlich die Pille gegen Risiken und Nebenwirkungen von permanenten Gefühlswechselbädern verschreiben. Erneut lieferte das Team von Trainer Oliver Schnepper nach einem dramatischen Ergebnisverlauf (0:1, 1:1, 1:3, 4:3, 4:4) einen regelrechten „Up and Down - Mix“ ab, an dessen Kehraus diesmal ein Remis zu Buche stand. Die Achillesferse bleibt die Defensivabteilung, weil man auch in der nachbarlichen Gemeinde den Hausherr mit viel zu vielen Gastgeschenken erfreute. Durch das Unentschieden gab man die Pole Position an GW Darmstadt ab und kann die Meisterschaft sprich Direktaufstieg nicht mehr aus eigener Kraft erreichen (jetzt ein Punkt weniger). Kurioserweise verbesserte sich dafür aufgrund der überraschenden Eberstädter Niederlage in Wixhausen die Möglichkeit, zumindest an der Relegation teilzunehmen (vier Zähler Vorsprung auf Rang Drei).

 

In Bickenbach rückten im Vergleich zum letzten Match Marc Perchner, Lucas Willenbacher und Nicklas Buth in die Startelf. Leistungsträger Marius Kollbacher musste verletzt passen. Seine Zweikampfstärke respektive körperliche Robustheit wurde auf dem Naturrasen der SKG-Arena schmerzlich vermisst, denn die einsatzfreudigen Platzhirsche demonstrierten wie erwartet von Anfang an leidenschaftlich, dass sie im eigenen Wohnzimmer keineswegs gewillt waren, die germanischen Aufstiegshoffnungen zu forcieren.

 

Bereits in der vierten Minute schlug es im Kasten von Keeper Larsen Schnepper ein. Die Absicherungssparte konnte den Ball nicht entscheidend klären, was der im Rückraum lauernde Yannick Bitsch mit einem platzierten Flachschuss ins linke Toreck nutzte. Zwar küsste Fouad Boudouhi nur wenig später den Pfosten, doch insgesamt spürte man, dass der RSV an dem frühen Dämpfer zu knabbern hatte. Nach einer Viertelstunde besaßen die Bickenbacher sogar eine dicke Möglichkeit, auf 2:0 zu erhöhen.

 

Erst peu á peu legten die Germanen ihre Scheuklappen ab und übernahmen das spielerische Kommando. Folgerichtig stellten sich erstklassige Ausgleichschancen ein, die aber teilweise fahrlässig liegen gelassen bzw. auf der Linie abgewehrt wurden. Fünf Minuten vor der Halbzeit durften die Germanen dank einer ausgefeilten Kopfballstafette endlich jubeln. Über die „Platten“ von Martino und Muth landete die Kugel bei Marc Perchner, der aus kurzer Entfernung zum inzwischen längst verdienten 1:1 respektive hundertsten Saisontor einnickte.

 

Der zweite Abschnitt begann aus Gästesicht eigentlich ordentlich, ehe Tim Saric ein überflüssiges Foul fabrizierte. Den fälligen Freistoß zimmerte Tolkan Ilhan zum Bickenbacher 2:1 in die Maschen. Doch damit nicht genug der Rückschlag-Arie: Kurz darauf übersah Santo Ylitalo im eigenen Sechzehner Marcel Kopp, so dass der SKG-Stürmer freistehend das 3:1 erzielen konnte, wodurch die Aufstiegsfelle endgültig wegzuschwimmen drohten.

 

Coach Schnepper reagierte und ordnete durch einen Doppelwechsel sowohl den Defensiv- als auch den Offensivverbund neu. Mit frischem Personal fighteten die Germanen fleißig für  ein Wendemanöver, das durch die Verschwendung einiger Hochkaräter zunächst allerdings konterkariert wurde. Erst eine Standardsituation (Ecke Ylitalo, Kopfball Choumbou) transportierte die Zuversicht wieder Richtung RSV-Gefilde. 180 Sekunden nach dem 2:3 hob Chombou zu einem Seitfallzieher ab und traf damit eine Bickenbacher Hand. Der Schiedsrichter deutete nach einer kurzen Info aus dem Kölner Keller auf den Punkt. Marc Perchner nahm sein Herz in beide Hände und lochte mit etwas Beistand „von oben“ (Schlussmann Florian Hansen war dran, letztlich aber machtlos) aus elf Metern zum 3:3 ein.

 

Die Aufholjagd perfektionierte schließlich der eingewechselte Mohammed Madi, indem er nach einer Hereingabe von Choumbou den Ball über die Linie spitzelte. Drei Buden innerhalb von zehn Minuten waren sicherlich ein ausgezeichnetes Moralzeugnis nach den kassierten zwei Nadelstichen zu Beginn der zweiten Hälfte. Doch das „auswärtige Standardresultat“ von 4:3 bröckelte, als Marc Perchner den Ball zu seinem Goalie spielen wollte, ihn aber nicht richtig fixierte. Der verunglückte Rückpass entpuppte sich als fette Beute für Marcel Kopp, der mühelos zum 4:4 einschob.

 

In der verbleibenden Phase entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Beide Seiten kickten mit offenem Visier und fahndeten nach dem „Dreier“, den vor allem die Germanen dringend benötigten. Doch der Lucky Punch blieb in seinem Versteck haften, so dass der remisierende Score nach einer Extratime-Zugabe von fünf Minuten abgesegnet wurde.

 

Somit finden sich die Germanen mit der eingangs beschriebenen Konstellation auf dem zweiten Tabellenplatz wieder, der also nach dem letzten Spieltag die Relegation gegen den Vertreter der Kreisliga A bedeuten würde. Aber noch sind drei Runden zu gehen und sowohl die Rückeroberung vom Platz an der Sonne als auch der Absturz auf Stufe Drei noch möglich. Fakt ist, dass in den restlichen drei Partien prinzipiell nur Siege zählen. So auch am kommenden Sonntag (12.05.), wenn der TSV Nieder-Ramstadt in der SGD Arena aufläuft (Anstoß 15Uhr).  

 

Aufstellungen:

Hansen, Rescheleit, Koperly, Trunk, Nowak, Zeidler, Kopp, Ilhan, Bitsch, Wiemer, Zannino

L. Schnepper, Saric (62. Platonow), Buth, Martino, Boudouhi, Willenbacher (53. Campos), Muth, Ylitalo, Perkovic (62. Hadi), Perchner, Choumbou

 

Tore:

1:0 Bitsch 4. 1:1 Perchner 40. 2:1 Ilhan 50. 3:1 Kopp 56. 3:2 Choumbou 67. 3:3 Perchner 70. HE 3:4 Hadi 77. 4:4 Kopp 81.

 

Schiedsrichter: 

Thomas Bernig aus Breuberg

 

Gelbe Karten:

Zeidler, Kopp, Ilhan / Saric